Die Buchserie: Verstehen, Akzeptieren, Verändern
 

@Lieblingssternenstaub

Was ist anders bei diesem Guide? Na ja, ich habe selbst noch keinen einzigen Selbstliebewegweiser gelesen. Selbstliebe lernen auf Instagram: Das macht mich manchmal echt wütend.

Da stehen dann vermeintliche Tipps, wie man sich selbst lieben lernt. Zum Beispiel „Spazierengehen“ oder eine schöne Kerze anzünden.

Ähm? What?

In all diesen Tipps und Hacks werden kaum Schritte zur Selbstliebe abgebildet sondern Dinge erklärt, die die Menschen tun, wenn sie sich selbst lieben.

Oh, Du willst Dich selbst akzeptieren? Dann zünde ne Kerze an.

Mit oder ohne Duft? Wird dann manchmal noch gefragt.

Und dann? Dann brennt wenigstens ne Kerze während ich an mir zweifele…

So läuft das aber nicht. Ich weiß nicht, was Du tust, womit Du anfängst, wenn Du Dich selbst liebst.

Ich kenne aber die notwendigen Bedingungen und stelle sie - so weit asynchron und digital möglich - zur Verfügung.

Selbstliebe. Tolles Wort. Als ich jung war, warf man mir oft vor ich sei ‚selbstverliebt‘, es war abwertend gemeint. Ich drängte mich wohl gerne in den Mittelpunkt. Schade, dass ich trotzdem nie gesehen wurde. Noch bedauernswerter, dass ich Selbstliebe erst Jahre später erfahren durfte.

Was genau bedeutet Selbstliebe? Ist Selbstliebe nicht gleichzusetzen mit Egoismus? Nein, ein Egoist ist so weit von Selbstliebe entfernt, wie der kleine Prinz von den großen Leuten.

Ein Egoist glaubt, es ist nicht genug für alle da, also nimmt er was er kriegen kann. Ein Egoist, fühlt oder fühlte sich oft benachteiligt, er wurde nicht gesehen und nicht gehört und hat aufgrund dessen eine unstillbare Gier entwickelt, er findet kein Maß. Er ist nur auf sich bedacht, denn er hat scheinbar gelernt, dass auf Andere kein Verlass ist. Eigentlich furchtbar traurig. In einem Egoisten schlummert ein verletztes, bedürftiges Kind, das nicht weiß was es braucht und sich erstmal alles nimmt. Ohne Rücksicht auf Andere. Die sind ja selbst Schuld, wenn sie nicht zugreifen. Und das ist bereits ein erstes Schlagwort: Schuld. Ein Egoist ist so unzufrieden, unsicher und gibt sich selbst die Schuld für seine Bedürftigkeit vergangener Tage. Diese Schuld muss kompensiert werden, durch Masse, durch Egoismus. Zu viele Enttäuschungen, zu wenig korrigierende Erfahrungen.

Und was ist dann jetzt Selbstliebe?

Jemand der sich selbst liebt, der kennt seine Bedürfnisse. Er stillt diese. Er nimmt was er braucht und gibt was er kann. Denn er weiß, die Welt dreht sich nicht nur um ihn. Es gibt Bedürftigkeit. Ungerechtigkeit. Ungleicheit. Es gibt Schwäche. Und es gibt Erfahrungen, die einen zweifeln lassen, an sich selbst. Doch jemand der sich selbst liebt, kennt nicht nur seine Bedürfnisse, er kennt auch seine Schwächen, seine Themen und seine Schattenseiten und nimmt diese an, statt sich zu verurteilen. Er kennt auch seine Grenzen und passt auf sich auf. Er kennt sich. Er will nicht werden. Er ist.

Nun gesellen sich zu der Schuld noch Schlagworte wie: Akzeptanz, Bedürfnisse, Grenzen, Schattenseiten. Und das Gefühl der Enttäuschung, sowie korrigierende Erfahrungen. Auch die ach so bequeme Komfortzone gehört irgendwie zur Selbstliebe. Sowie die Erwartungen an und von Anderen, sowie die Erwartungen an Dich selbst.

Der Unterschied zwischen dem Wissen „genug zu sein“ und dem Gefühl genug zu sein, ist der Irrglaube etwas dafür tun zu müssen.

Aber eins nach dem Anderen. Denn jemand der sich selbst verachtet, für den ist Selbstliebe ein Schlag ins Gesicht.

Und diese Weisheiten: Du musst Dich selbst lieben, bevor Du Andere lieben kannst, nicht schlichtweg falsch, anmaßend und fatal. Die Fakenews der Postkarten und Kalendersprüche. Selbstliebe ist keine Grundvoraussetzung für Liebe. Weder um Liebe zu geben, noch um Liebe zu empfangen. Du bist liebenswert, auch wenn Du Dich selbst nicht liebst. Und wenn Du es irgendwann geschafft hast Dich selbst zu lieben, kannst Du Dich dennoch nach Liebe sehnen. Selbstliebe ist weder eine Bedingung noch ein Ersatz für Liebe.

Du musst Dich nicht selbstlieben, Du darfst. Du bist frei Dich selbst zu lieben, liebst Du Dich selbst bist Du frei.

„Ja, aber WIE?“

Das ist die wohl häufigste Frage, die in meiner Praxis gestellt wird. Zu Beginn hat sich die Ratlosigkeit der Menschen und Paare immer mal wieder in mir breit gemacht.

Es liegt auf der Hand, dass ich die Antwort auf die Frage nach dem „Wie?“ auch nicht kenne.

Zumindest nicht in der gewünscht-konkreten Form. Denn eigentlich fragt kaum jemand „Wie?“ um dann eine Handlungsanweisung zu bekommen, vielmehr geht es darum, wie man es schafft, sich auf den Lösungsweg, den man eigentlich schon kennt, zu begeben.

„Wie kann ich abnehmen?“ „Kaloriendefizit!“

„Wie kann ich den Anderen verstehen?“ „Zuhören.“

„Wie kann ich mich selbst lieben?“„Lerne Dich kennen und akzeptiere.“

Der Weg führt durch das vertiefte, also emotionale Verstehen, habe ich etwas verstanden, kann ich es annehmen, akzeptieren und wenn ich etwas akzeptiert habe, kann ich etwas verändern.

Es hört auf, sobald Du loslässt.

Ein Weg, zu verstehen, geht über die Frage nachdem „Warum?“, statt sich permanent abzuwerten und unter Druck zu setzen, lieber mal überlegen, fühlen, warum man an diesem und anderem unerwünschtem Verhalten festhält.

Essen sorgt vielleicht kurzfristig für Wohlbefinden. Habe ich eine Alternative, damit ich mich wohl fühle? Falls nicht, sollte ich erst einmal nach einer Alternative suchen, bevor ich mir eine der wenigen Freuden in meinem Leben vorenthalte. Und erst im zweiten Schritt, konzentriere ich mich darauf, was anders wäre, wenn ich es schaffen könnte, das unerwünschte Verhalten loszuwerden.

Ich gehe liebevoll mit mir um, sorge für eine Alternative und sorge für eine Motivation. Statt mich abzuwerten und unter Druck zu setzen.

Wenn ich dann noch etwas Geduld mit mir habe, wird es leichter... und vielleicht erkenne ich auch einfach, dass ich es gar nicht bin, die es nervt, sondern dass mir von außen suggeriert wird, ich müsse etwas ändern... und dann darf ich auch einfach mit gutem Vorbild vorangehen und sagen:

Ich bin schon ganz gut wie ich bin, ich verstehe warum ich manchmal nicht so handeln kann, wie ich möchte und vergebe mir.

Wenn Du magst, begleite ich Dich mit diesem Podcast zumindest zu Beginn Deiner Reise zu Dir selbst.